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Montag, 23. Februar 2015

Camper holen in Santiago und nach Los Andes

Gestern Abend waren wir noch einmal im gleichen Viertel hinter dem Park Cerro Santa Lucia.
Wie in Chile üblich, hatten am Sonntag etliche Gaststätten geschlossen, da geht man wohl nicht essen.
Auch die Kneipe, an der wir am Vorabend waren, hatte es nicht nötig aufzumachen, nachdem wir die Lohnkosten für alle Kellner für eine Woche bezahlt hatten.
Bei den Kneipen, die offen waren, haben wir uns erstmal die Speisekarten geben lassen und sind dann schließlich in einer Vinothek gelandet, die normale Preise hatten, d.h. das Essen um die 7 Euro und die Flasche Wein bei rund 10 Euro. In einigen der anderen Kneipen gab es keinen Wein unter 30 Euro/Flasche.
Als wir fertig mit Essen waren und noch einige Reste auf dem Teller hatten, kam eine ziemlich verlotterte Schönheit und fragte, ob sie die Reste nehmen darf. Da wir auch in anderen Großstädten schon öfter unsere Reste verschenkt hatten, sagten wir natürlich ja. Sie hat das allerdings als Einladung aufgefasst und sich gleich mit an den Tisch gesetzt. Zuerst hat sie sich den größten Teil der Reste des Salattellers von C. sehr
unappetittlich einverleibt, dann nahm sie die restlichen Salatblätter und warf sie in das Pfännchen mit den Resten eines scharfen Hühnchens. Als sie das auch komplett vertilgt hatte fing sie an zu keuchen und fixierte C. ziemlich lange mit einem bösen Blick. Dann meinte sie, C. sei eine Hexe und hätte sie umbringen wollen. Das würde ihr aber nicht gelingen, da sie eine viel größere Hexe sei. (Die kennt C, nicht)

Mit Hilfe der Kellner konnten wir sie schließlich sanft überreden, sich vom Acker zu machen, was sie nicht daran hinderte, einige Minuten später erneut aufzutauchen und den Mordvorwurf der Hexe C. zu wiederholen. Beiläufig wollte sie dann noch wissen, ob wir eventuell ein paar Drogen für sie hätten, was wir leider verneinen mussten.

Insgesamt war es ganz unterhaltsam.

Während des ganzen Spektakels hatte sich das Lokal ziemlich gefüllt und die 4 anwesenden Kellner, die uns anfangs perfekt bedient hatten,  waren hoffnunglos überfordert. Sie rannten nur noch wild durcheinander und hatten keine Ahnung mehr, an welchem Tisch noch was fehlt. So mussten wir auf ein Glas Wein dann über eine halbe Stunde warten und hätten wahrscheinlich auch noch ein Dessert genommen. Es bestand allerdings bei den Chaos keine reale Chance, dieses in absehbarer Zeit zu bekommen, weshalb wir schließlich gegangen sind.

Zu gestern ist noch zu sagen, dass ich den ersten Sonnenbrand im Genick eingefangen habe. Die Geheimratsecken waren ja gut eingeschmiert aber der T-Shirt-Rand im Genick wurde vernachlässigt, weshalb es dort jetzt krebsrot ist.




Heute Morgen haben wir dann um 10.00 Uhr ausgecheckt. Um 11.00 Uhr wurden wir am Hotel von der Fa. Holidayrent abgeholt und zur Vermietstation gefahren.
Außer uns war noch ein Paar aus Franken da, die auch einen Camper übernehmen wollten.
Es ging dann dort sehr gemütlich zu.
Erstmal frischen Kaffee kochen und den ganzen Papierkram erledigen. Hierfür sind 2 Tina und Ruth da, die in Deutschland geboren sind, so dass es mit der Verständigung keine Probleme gab.

Nach dem Papierkram wurde das Fahrzeug ausführlich erklärt, allerdings hat man uns nicht alles gesagt. Dazu später mehr.

Wir haben dann unsere Taschen ausgeräumt und den Inhalt in die Staufächer verteilt, da es definitiv keinen Platz für einen Koffer oder eine Reisetasche gibt. Es sind zwar viele Staufächer aber alle nicht groß genug, um die Reisetasche reinzustellen.
Holidayrent hat aber sowieso angeboten, dass man die Taschen da lassen kann und das Angebot haben wir dann genutzt.
Gegen 14.00 Uhr sind wir dann losgefahren und haben uns erstmal in einem Supermarkt, den uns der Vermieter empfohlen hat, mit dem Notwendigsten eingedeckt. Warum die uns da hingeschickt haben, weiß ich nicht, weil es ein wirklich kleiner Markt war und wir später, als wir aus Santiago rausfuhren, an großen Shopping-Centern vorbeikamen. Aber egal, wir konnten eh nicht viel kaufen, weil bei den Grenzübertritten sowieso alles Fleisch, Wurst, Honig, Früchte etc. konfisziert wird und wir ja schon morgen nach Argentinien wollen.

Als wir aus dem Supermarkt kamen, haben wir am Türschweller auf der Fahrerseite eine ziemlich hässliche Beule entdeckt, die man im Hof des Vermieters nicht gesehen hatte, weil das Fahrzeug dort im Schatten und mit der Fahrerseite an einer Mauer stand. Wie sind dann gleich zur Vermietstation zurück, allerdings war dort jetzt Siesta und keines der deutschen Mädels da. Mit Hilfe eines englischsprachigen, der dort rumstand,
haben wir das Problem telefonisch mit Tina geklärt und den Schaden fotografisch gesichert.

Dann gings endlich los in Richtung Los Andes.





Die nächste Überraschung kam, als wir auf dem Weg dahin eine Zigarettenpause eingelegt haben. Ich zog den Zündschlüssel ab und die Karre lief einfach weiter. Das erklärte nun auch, warum es vorher beim Supermarkt schon 2x gehoppelt hatte, weil ich auch dort den Schlüssel umgedreht und den Fuß von der Kupplung genommen hatte und das Auto einen Satz machte. C. wollte mich schon Kieskutscher nennen, ich habs ihr angesehen. Na gut, haben wir die Karre halt bei jedem Stopp abgewürgt.

Die Rotweintrauben warten hier darauf, dass man sie erntet.





Weil das ganze Einräumen bei heute über 30 Grad eine sehr schweißtreibende Aktion war, hatten wir uns beim Vermieter auch nach einem Campinglatz in Los Andes erkundigt, den wir dann auch angesteuert haben. Ohne die Beschreibung des Vermieters hätten wir den nie gefunden, weil er völlig außerhalb liegt und in keinster Weise ausgeschildert ist.





Als wir schließlich dort ankamen, war alles verrammelt und 4 Hunde bewachten das staubige Gelände, das nirgends an einen Campingplatz erinnerte.
Irgendwann kam dann aber jemand raus und meinte, wir könnten da bleiben, wenn wir wollen. Auf die Frage, ob es auch eine Dusche und ein Klo gibt meinte der Besitzer, wir sollen ihm eine Stunde geben, das müsste erstmal alles saubergemacht werden.



Diese Stunde haben wir dann mit Auspacken überbrückt, war wie Weihnachten. Die haben in der Vermietstation wirklich jedes Einzelteil, egal ob Löffel, Pfanne, Decke oder Handtücher in zig Lagen von Wrap-Folie verpackt, die nur mit roher Gewalt zu entfernen war.Außerdem haben wir unserem Vermieter mal telefonisch das Problem mit dem weiterlaufenden Motor geschildert worauf die Antwort kam:
"Ja wir haben da was eingebaut." Man hats uns halt nicht gesagt. Der Motor läuft temperaturabhängig bis zu mehrere Minuten nach, damit er abkühlen kann, aber wenn man es nicht weiß.....


Auf jeden Fall gab es dann grünes Licht für die Dusche und die war dann wirklich sauber und hatte Badezimmerflair.

Das Duschen war dann auch bitter nötig, weil das Anziehen der Betten mit den mitgelieferten Bezügen eine Tortur war. Nichts passte, aber irgendwie bekamen wir dann doch alle Kissen und das Deckbett da reingestopft.

Nach dem Duschen haben wir dann unsere aus dem Supermarkt mitgebrachtes Huhn vertilgt und dann auch noch festgestellt, dass wir auf dem Platz sogar ein WLan haben. Das Beibringen des Sicherheitsschlüssels dauerte dann etwas aber dann funktionierte auch das, so dass wir den Blog noch veröffentlichen konnten.




Und einen schönen Sonnenuntergang gabs auch noch. Und über den Platz klingen, während ich das schreibe, die Wiener Philharmoniker.

Grüße

PS: C. besteht darauf, dass auch erwähnt wird, dass der Kühlschrank nach Fisch stinkt. Sie meint, da lag mindestens 2 Wochen lang ein totes Exemplar drin.  Mal schauen, ob wir den Gestank noch rauskriegen.

PS2:
Hatte ich vergessen. Für den Campingplatz mit Hundebewachung und Musikberieselung mussten wir 5.000 Pesos bezahlen, ca. 7 Euro.

Kommentare:

  1. Hallo ihr zwei,

    solange es im Kühlschrank sicher nach vergammeltem Fisch und nicht nach sonstigem totem Fleisch riecht ist ja alles bestens.... :-)

    Trotz schönem Sonnenuntergang hätte ich mich bei dem Platzchef wohl über die Wiener Philharmoniker beschweren müssen. Ne geile Rocknummer hätte da noch viiiiiieeeeel besser gepasst...!!!
    Viel Spaß noch!

    Gruß
    Dieter H.

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  2. Ach ja, noch was....

    erstens würde ich euch raten, jegliches offenes Feuer zu meiden!
    Sonst besteht offenbar die Gefahr, dass C. auf dem Scheiterhaufen als Geist von Bibi Blocksberg auf dem Reisigbesen in den Hexenhimmel entschwindet.... :-)

    Und zweitens habt ihr es offenbar versäumt, eurer Sarah frühzeitig Respekt vor älteren, in Ehren ergrauten, Menschen beizubringen. Von wegen ihres Kommentars zum Seniorenticket...
    Ja wird´s noch? Also bitte, etwas mehr Achtung vor armen, im jährlichen Reisestress befindlichen, Senioren wäre da doch wohl angebracht oder???.... ;-)

    Gruß Dieter H.

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